Hypoglykämie

Übersicht


Medizin

Definition

  • Verminderung der Konzentration von Glukose im Blut unter einen Wert von etwa 2,8 mmol/l bzw. 50 mg/dl beim Erwachsenen mit dadurch bedingter zerebraler Glukoseunterversorgung.

Ursachen

  • Unerwünschte Arzneimittelwirkung bestimmter Arzneistoffe
  • Gesteigerte Glukoseverwertung
    • z.B. bei Insulinomen, insulinproduzierenden Karzinoiden und Karzinomen (paraneoplastisches Syndrom) sowie bei Neugeborenen diabetischer Mütter
  • Verminderte Glukoseproduktion
    • z.B. bei Leberfunktionsstörungen, Alkoholintoxikation, Mangel an Insulinantagonisten (NNR-Hormone, Glucagon, Katecholamine), Tumoren außerhalb der Pankreas, die evtl. Hemmfaktoren der Glukoneogenese produzieren, bei Glykogenosen, u.U. bei langem Fasten, Hypophysen- und Nebennierenrindenunterfunktion
  • Postprandial
  • Leucinempfindliche Hypoglykämie Cochrane
  • Fruktoseintoleranz

Bemerkungen

  • Bei Hypoglykämie werden, induziert durch den Sympathikus, vermehrt Adrenalin und Noradrenalin aus der Nebenniere freigesetzt. Diese Gegenregulation des Körpers kann bei starker Hypoglykämie (< 30 mg/dl) zu einem Anstieg der Plasmakonzentration von Adrenalin um mehr als Faktor 20 und bei Noradrenalin um ca. Faktor 2,5 führen.

Symptome

  • Vegetative Symptome (als Ausdruck der adrenergischen Gegenregulation):
    • Kalter Schweiß
    • Zittern, Unruhe
    • Hungergefühl bis Heißhunger, evtl. aber auch Übelkeit, Erbrechen
    • Herzklopfen
    • Blässe der Haut u.a.
  • Neurologische Symptome
    • Verwirrtheit
    • Koordinationsstörungen, Schwindel
    • Schlaf- und Denkstörungen
    • Sehstörungen (Doppelbilder)
    • Krämpfe
    • Ataxie
    • Apathie (manchmal)
    • Bewusstseinsstörungen bis zum hypoglykämischen Schock mit Koma
  • Evtl. auch psychotische Zustand mit Erregtheit und Wutausbrüchen

Diagnose

  • Nachweis des niedrigen Blutzuckerspiegels mit Hilfe von Teststreifen oder Messgeräten

Therapie


Notfallmedizin

Symptomatik

  • Unruhe
  • Desorientiertheit
  • Muskelzittern, Schweißausbruch (Kaltschweißigkeit)
  • Im Frühstadium starke Reizbarkeit, oft schlechte Mitarbeit des Patienten, Heißhunger
  • Evtl. Übelkeit, Erbrechen
  • Evtl. Krampfanfall
  • Bewusstseinstörungen bis zur Bewusstlosigkeit
  • Evtl. Aphasie

Kurzanamnese

Sofortdiagnostik

Sofortmaßnahmen

Bei ansprechbarem, kooperativen Patienten

  • Falls keine anderen zuckerhaltigen Getränke (oder Speisen zur Verfügung stehen) Glucose 40 % trinken lassen, ansonsten z.B. Fruchtsaft oder Cola trinken bzw. Obst oder Traubenzucker essen lassen.

Bei ansprechbarem, nicht kooperativen Patienten

  • Versuchen den Patienten doch zur Mitarbeit zu überreden, Patient jedoch zu nichts zwingen!
  • Einsatzort nicht verlassen, da die Bewusstlosigkeit in nächster Zeit zu erwarten ist ("Problem der mangelnden Kooperation erledigt sich von selbst...").
  • Bei aggressivem Patienten: Eigenschutz beachten

Bei bewusstlosem Patienten

  • Stabile Seitenlage
  • Sauerstoffgabe
  • i.v.-Zugang (Notkompetenz)
  • i.v.-Gabe von Glucose-Lösung 40 % (Notkompetenz)
    1. 20 ml Glucose-Lösung 40 % zur voll laufenden Infusion mit Vollelektrolytlösung dazuspritzen
    2. 20 ml Glucose-Lösung 40 % in die Infusionsflasche geben und langsam infundieren
      • Reicht diese Glucosemenge nicht zum Aufklaren des Patienten aus, so ist im Rahmen der Notkompetenz keine weitere Glucosegabe vorgesehen. Diese ist eine rein notärztliche Maßnahme.
  • NOTARZT

Erweiterte Maßnahmen

  • Glukosegabe bis zum Aufklaren des Patienten
  • Evtl. Steigerung der endogenen Glukoseproduktion mit z.B. 0,5 - 1 mg Glucagon i.m.

Achtung

  • Kein venöses Blut für die BZ-Messung verwenden, da dort der BZ-Wert um bis zu 40 mg/dl niedriger sein kann.
  • Bei Ausbleiben der Aufklarung auch an andere Ursachen denken, z.B. Apoplex, Intoxikation, Epilepsie.

Bemerkungen

  • Eine längere Hypoglykämie kann zu dauerhaften Hirnschädigungen führen.
  • Die Applikation der Glucose-Lösung muss augrund ihrer gewebsschädigenden Eigenschaften  streng intravenös erfolgen. Die korrekte Lage des Zugangs sollte daher mit Hilfe der angelegten Infusion vor der Glucose-Gabe überprüft werden.
  • Die mit Glucose angereicherte VEL sollte auch nach dem Aufklaren des Patienten langsam weiterlaufen gelassen werden, um eine rasche erneute Hypoglykämie infolge einer eventuellen starken Induktion der Insulinsekretion durch den Glucose-Bolus zu verhindern.
  • Der Patient sollte zur Abklärung der Ursachen stets ins Krankenhaus mitgenommen werden.

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